fbpx

So kannst du deine Bindungsangst heilen!

In dem letzten Artikel „Hat er Bindungsangst“ haben wir ein paar grundlegende Fragen und Begriffe bezüglich der Bindungsangst geklärt. Was genau dieses Wort bedeutet, seit wann es die Bindungsangst gibt und was der Unterschied zwischen aktiver und passiver Bindungsangst ist.

In diesem Beitrag erfährst du, wie du deine Bindungsangst ein für alle mal heilen kannst.

In unserem Leben leben wir, wenn auch meist unbewusst, nach unseren Glaubenssätzen. Sie beeinflussen unsere Entscheidungen und unseren gesamten Lebensweg. Aus diesem Grund ist es wichtig, die richtigen Glaubenssätze zu haben. Doch oftmals stehen uns unsere negativen Glaubenssätze dabei im Weg.

Glaubenssätze entstehen schon in unserer frühesten Kindheit und prägen von da an unser gesamtes Leben. Es sind die Dinge, die dir als kleines Kind passieren, die dich noch dreißig Jahre später lenken.

Menschen mit Bindungsangst haben unbewusst meist einen von den folgenden drei Gedanken: „Ich bin nicht gut genug, ich bin nicht liebenswert.“

„Ich bin anders als alle anderen. Für mich wird es keinen passenden Partner geben.“ Auch das ist bei vielen im Kopf fest verankert, es war lange Zeit auch mein Glaubenssatz.

Der letzte ist „Ich kann nicht alles haben, was ich will.“ Hast du das auch mal gedacht? Zum Beispiel kannst du nicht eine glückliche Beziehung führen, Karriere machen und Zeit für Freunde haben. Gerade Männer glauben häufig sie können nicht mit einer Frau zusammen sein und ihre Freiheit behalten. Kommt dir das vielleicht bei einigen der Männer, die du kennst, bekannt vor?

Meine Freundin Lea litt lange Zeit auch unter Bindungsangst. Sie war sich dessen jedoch nicht bewusst. Sie ließ permanent Männer in ihr Leben, die nicht fähig waren eine dauerhafte Beziehung zu führen. Bei Menschen mit passiver Bindungsangst, so wie Lea, ist dies ein Muster, da diese Männer ihren Glaubenssatz „Ich bin es nicht wert, dass du bei mir bleibst.“ bestärken.

Um Lea von ihrer Bindungsangst zu heilen, mussten wir ihre negativen Glaubenssätze erkennen und sie davon befreien.

Bei Lea war es so, dass sie im Alter von drei Jahren entdeckt hat, dass sie sich gegen andere Kinder im Kindergarten durchsetzen konnte, wenn sie ihnen einfach die Spielzeuge, die sie haben wollte, wegnahm. Die Freunde von Lea’s Eltern hatten ebenfalls ein Kind, den kleinen Harald. Lea und Harald waren ungefähr im gleichen Alter.

Bei einem Besuch, nahm Lea Harald seinen Teddy weg, weil sie auch mal mit ihm spielen wollte. Harald ist direkt zu seinen Eltern gelaufen und Lea’s Mutter war daraufhin wütend auf sie und sagte ihr sie sei ein böses Mädchen und sollte anderen Kindern die Sachen nicht klauen.

Das war das Schlüsselerlebnis, welches bei Lea dazu geführt hat zu glauben, sie sei nicht liebenswert, wenn sie sich etwas nimmt, was sie gerne hätte.

Bindungsangst heilen – diese negativen Glaubenssätze hindern dich daran

So hat sich ihr Glaube auch auf die Männer übertragen und ein Muster entwickelte sich, indem sie immer die Männer anzog, die nicht zu ihr passen.

Eine weitere Geschichte handelt von einem 53-jährigen Mann, den ich auf einem Seminar kennengelernt habe und der mir von seinem Kindheitstrauma erzählt hat, welches bei ihm zu einer Bindungsangst geführt hat. Dieser Mann stand unmittelbar vor mir, er hatte schon Tränen in den Augen und sagte mir, seine Mutter hätte ihn oft im Supermarkt vergessen oder verloren, als er noch ziemlich klein war.

Daraus entstand bei ihm der Glaubenssatz „Ich bin es nicht wert, dass man sich um mich kümmert und auf mich aufpasst.“

Drei gescheiterte Ehen hat dieser Mann schon hinter sich, bis er den Grund dafür letztendlich erkannt hat.

Es ist jedoch so, dass Erinnerungen nicht immer genau so passiert sein müssen, selbst wenn man es selber glaubt. Das Gehirn kann Erinnerungen aus der frühen Kindheit gut verblenden und verändern. Doch selbst wenn die Mutter dieses Mannes ihn ein paar Mal beim Einkaufen verloren hat, heißt das dass sie eine schlechte Mutter war und ihn nicht liebte?

Er erzählte mir, dass er noch drei weitere Geschwister hatte und alle waren in etwa im selben Alter. Zwei davon wurden adoptiert. Mit vier Kindern ist es für eine Mutter erst recht nicht leicht, alle immer im Blickfeld zu haben. Kann eine Frau, die zwei Kinder geboren und zwei adoptiert hat, wirklich eine Mutter sein, die ihr Kind nicht liebt?  – Nein! Und trotzdem hat der Mann seither diesen Glaubenssatz.

Schritt 1: Wo ist der Ursprung deines Glaubenssatzes?

In erster Linie geht es hier darum deine Bindungsangst zu heilen und nicht die deines Partners. Es ist schwer ihm die Bindungsangst zu nehmen, gar unmöglich, wenn er nicht selbst dazu bereit ist. Du allein bist nicht in der Lage dafür. Genauso wie du deine Bindungsangst alleine überwinden kannst, kann er es auch, wenn er es will. Heute geht es erstmal darum, deine eigene Bindungsangst zu heilen!

Was war der Auslöser, der dich als Kind dazu gebracht hat zu denken du bist nicht gut genug?

Wenn du diesen Auslöser gefunden hast, wirst du auch erkennen, dass das alles gar nicht wahr gewesen ist. Du wirst erkennen, dass du als Kind eine Annahme über das Leben und über dich selbst gemacht hast, die so nicht stimmt und ein komplettes Missverständnis war.

Wenn deine Eltern dich zum Beispiel geschlagen haben, dann heißt das nicht, dass sie die nicht liebten. Sie konnten nur mit ihrer Aggressivität nicht richtig umgehen, vielleicht haben sie es selbst nicht anders gelernt. Oder wenn deine Eltern Alkoholiker waren, heißt das auch nicht, dass du ein schlechtes Kind warst und daran Schuld gewesen wärst. Sie hatten einfach einen Schmerz in sich, den sie anders nicht verarbeiten konnten, auch wenn sie es sich gewünscht hätten anders damit umgehen zu können.

Schritt 2: Die praktische Übung

Um den ersten Schritt zur Heilung deiner Bindungsangst zu machen, atme tief ein und schließe dann die Augen. Reise zurück in deine Kindheit, zu dem Moment, in dem du zum ersten Mal gedacht hast „Ich bin nicht gut genug und deshalb bin ich nicht liebenswert.“ Was auch immer dein erster Gedanke ist, lass ihn kommen und behalte ihn!

Fühle dein damaliges Ich und versetze dich so sehr in diesen Moment hinein, dass du ihn genau spüren kannst. Welche Kleidung trägst du, wo bist du, ist es dort warm oder kalt? Welche Menschen sind um dich herum und was passiert?

Vielleicht hast du dich schon öfter an diesen Moment erinnert, vielleicht aber auch zum ersten Mal seit sehr langer Zeit. Aber das ist vermutlich die erste Situation, in der du gedacht hast du bist nicht liebenswert.

Nun “zoomst” du aus dieser Szene heraus. Du schaust du dir das Ganze aus der Vogelperspektive und ganz neutral an. Wenn du ein Wissenschaftler wärst, welche Tatsache würdest du sehen? Was ist die sachliche Wahrheit, wenn du es von oben betrachtest?

Der Punkt, an dem du die Wahrheit findest, ist der Weg in die Freiheit. Der Punkt, an dem du siehst und verstehst, dass es damals nichts mit dir, sondern mit anderen Umständen zu tun hatte, macht dich frei von diesem negativen Glaubenssatz.

Hätte der Mann, der mit 53 Jahren immer noch traurig darüber ist, als Kind in einem Supermarkt vergessen worden zu sein, nicht immer und immer wieder diese Geschichte erzählt, wäre sein Glaubenssatz niemals so stark geworden. Hätte er begriffen, dass es nicht an ihm lag, sondern daran dass seine Mutter gerade auf drei weitere Kinder aufpassen musste, während sie ihre Einkaufsliste abhakte, so wäre sein Glaubenssatz nicht entstanden.

Sobald du dich von deinem alten negativen Glaubenssatz gelöst hast, kommt der neue richtige und positive: Ich bin gut genug! Ich bin es wert geliebt zu werden!

War dein Glaubenssatz: „Ich bin anders, ich gehöre nicht dazu.“, dann gibt es auch hier eine ganz einfache Lösung: Die Wahrheit ist, jeder Mensch ist anders und einzigartig und die meisten haben diesen Glaubenssatz. Was du dagegen machen kannst ist anderen Menschen das Gefühl geben, dass sie dazugehören. Beziehe sie mit ein, lade sie zu dir ein und gib anderen Menschen ein gutes Gefühl. Damit gibst du automatisch dir selbst ein gutes Gefühl.

Tausche deinen bisherigen Glaubenssatz gegen „Ich gehöre dazu und ich sorge dafür, dass auch du dazu gehörst!“ ein und du wirst sehen, was sich dadurch schon alles verändert.

Der dritte Glaubenssatz ist: „Ich kann nicht alles haben, was ich will.“ Sagt dir ein Mann er will lieber keine feste Beziehung eingehen, weil er noch nicht bereit ist und seine Freiheit genießen will, dann frage ihn was er überhaupt unter Freiheit versteht. Wahrscheinlich antwortet er darauf, dass er immer mit seinen Freunden weggehen kann, wann er will. Warum sollte er das denn nicht können, wenn du mit ihm zusammen bist?

Eine Partnerin wird ihm seine Freiheit nicht nehmen können. Ein Gefängnis kann das und sein Glaubenssatz, welcher in ihm gefangen ist, kann es auch auf eine andere Art und Weise. Und Zwar indem er ihn davon abhält eine Beziehung führen zu können.

Bei Frauen sind die Glaubenssätze sie können nicht Mutter werden und weiterhin Sex haben oder sie können nicht Karriere machen und eine Familie gründen. Bist du eher eine Karrierefrau oder ein Familienmensch?  – Warum nicht beides? Wer sagt denn, dass nicht beides funktioniert?

Du sagst dir das, indem du es glaubst.

Dein neuer Glaubenssatz ist nun also: Ich kann alles haben, was ich wirklich will!

Schritt 3: Die Visualisierungsübung

Das Problem, sowohl bei aktiver als auch bei passiver Bindungsangst ist, dass man sich nicht vorstellen kann ein Leben lang wirklich geliebt zu werden.

Aber wenn du deine Bindungsangst wirklich heilen willst, dann musst du dich von diesem Gedanken verabschieden.

Im Moment wirst du dir vielleicht die meiste Zeit darüber Gedanken machen, dass er sich in dich verliebt und mit dir zusammen sein will. Du wartest ununterbrochen auf diese Sätze von ihm. Blende das für einen kurzen Augenblick einmal aus und fokussiere dich auf etwas langfristiges!

Dein langfristiges Ziel ist, dass du Tag ein Tag aus, Jahr ein Jahr aus, für diesen einen Partner gut genug bist und ihr eine wundervolle Beziehung führt.

Übe dich darin dir vorzustellen wie es ist, dass du gut genug bist. Wie sieht dieses langfristige Leben mit ihm und mit dir aus? Wie fühlt es sich an? So schaffst du es eine dauerhaft glückliche Beziehung zu führen!

Fokussiere dich immer auf diese langfristige Vision und nicht auf die kurzfristigen wie „Hoffentlich meldet er sich endlich, hoffentlich will er ein Date mit mir.“

Lea hat es damals mit dieser Technik geschafft von ihrem Glaubenssatz loszukommen. Sie hat seitdem verinnerlicht, dass sie alles und auch jeden Mann haben kann, den sie will und dass sie auch gut genug für ihn ist. Man muss sich einen tollen Partner nicht verdienen, genauso wenig wie man sich die Luft zum Atmen verdienen muss. Es steht jedem Menschen zu und jeder Mensch ist gut so wie er ist. Auch du.

Share This